Jagdgeschichte: „Langes Warten auf Birka“

Es ist der 09. November 2013, ein wunderschöner Jagdtag steht bevor! Gestern noch starke Regenfälle und heute morgen strahlender Sonnenschein. Ich folge gerne der Einladung meiner Jagdfreunde in einem benachbarten Revier. Wie steht es immer so schön in der Einladung: …gute Hunde und Jagdhornbläser sind herzlich willkommen.

Ronja muss heute leider zu Hause bleiben. Sie hat einen Abszess im Bereich der Analdrüse und bekommt zur Zeit noch Antibiotika. Von einem Einsatz riet mir meine Tierärztin dringend ab! So geht es dann mit der jungen Birka los. Im sogenannten Burghof finden sich allmählich die Jäger und Treiber ein. Wer keinen Hund führt, der zahlt 5 Euro in die Solidaritätskasse unserer Kreisgruppe Mayen-Koblenz. Eine sinnvolle Sache, bleiben die Hundeführer bei einer Verletzung ihrer Hunde nicht alleine auf ihren Kosten sitzen. Die Jagdscheine werden kontrolliert und dann ist noch etwas Zeit um ein Schwätzchen zu halten. Um 9 Uhr erschallt das „Hohe Wecken“ und die „Begrüßung“ aus vielen Jagdhörnern. Wohl die Hälfte der anwesenden Jäger lassen ihre Hörner erklingen, eine schöne Tradition. Nach der Belehrung durch den Jagdherrn und dem Signal „Aufbruch zur Jagd“ geht es mit den Revierführern hinaus.

Mir wird ein Stand im westlichen Teil des Reviers zugewiesen. Nach Verständigung mit dem Standnachbarn mache ich mich fertig. Gewehr laden, sichern, Sitzplatz herrichten, Hund Schutzweste mit Garmin-Navigation anziehen und dann warten bis zum Anblasen des Treibens. Um 09:45 Uhr höre ich das Signal „Anblasen des Treibens“, gebe es weiter und Birka läuft los. Bereits nach kurzer Zeit höre ich ihren Laut, der sich dann stetig entfernt. Schließlich ist nichts mehr zu hören. Ich schaue auf mein Ortungsgerät, oh M…, Batterien alle und keine Ersatzbatterien. Die Batterien hatte ich aufgeladen, aber sie sind wohl schon zu alt. Jetzt muss ich halt, wie vor Jahren ohne Navi, warten.

Es ist 11:00 Uhr und die Treiberwehr kämpft sich durch das Unterholz, von Birka keine Spur! Wo sie wohl steckt? Dann kommt um 11:45 Uhr das Signal „Hahn in Ruh“ und von Birka … kein Lebenszeichen. Ich telefoniere mit verschiedenen Jagdfreunden. Ja, Birka wurde öfters gesehen, aber im Moment war sie nicht da. Immer wieder ein komisches Gefühl. Um halb eins lege ich eine Decke aus und fahre zum Sammelplatz, aber auch dort ist Birka nicht anzutreffen.

Dann klingelt das Telefon und die erlösende Nachricht kommt. Birka ist wohlbehalten aufgegriffen worden und ist auf dem Weg zum Sammelplatz. Endlich kann ich sie in Empfang nehmen! Aber wie sieht sie aus? Die Farbe der Schutzweste war mal gelb/orange, nun ist diese einer einheitlich grau-braunen gewichen. Ob sie sich mit den Sauen in einer Suhle gewälzt hat? Ich war natürlich gespannt, wo sie aufgefunden wurde.

Harald erzählt mir, dass sie gerade dabei waren einige geschossene Sauen mit dem Wildwagen aufzunehmen. Plötzlich hörten sie in einiger Entfernung Standlaut. Sie machten sich bemerkbar! Plötzlich stand Birka vor ihnen, bellte sie an und drehte sofort wieder ab und entschwand  in Richtung Dickung. Wiederum Standlaut. Birka kam noch einmal, bellte und lief zurück. Harald, ein erfahrener Terrierführer, sowie ein befreundeter Jäger aus Kiel, liefen ihr dann hinterdrein und ihnen bot sich folgendes Bild: In einer Brombeerdickung steckte ein Wildschwein mit einem Keulenschuss, stark von Birka bedrängt. Ein Schuss war in dieser Situation nicht möglich. Letztlich konnte der Frischling abgefangen werden. Harald meinte, dass er so etwas noch nicht erlebt hat. Birka holte sie praktisch zum angeschweißten Wild.

Jetzt aber haben wir uns eine deftige Erbsensuppe mit Einlage verdient. Einen kleinen Leckerbissen (natürlich keine Erbsensuppe) gibt es auch für Birka, denn schon bald steht das kurze zweite Treiben an. Ich hatte heute kein Waidmannsheil, aber ich bin auch so sehr zufrieden. Alle Hunde haben den Jagdtag wohlbehalten überstanden.

Die Tagesstrecke: 22 Wildschweine, 7 Füchse, 1 Hase und dies bei 38 Schützen!